Wahlen GdG Rat + Kirchenvorständen

Liebe Mitchristen,

plakate-wahlen-aachen-3-web (c) Bistum Aachen
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Datum:
Fr. 18. Juni 2021
Von:
Christa Lingenberg

am 6. und 7. November finden in den nordrhein-westfälischen Bistümern die Wahlen zum GdG Rat und den Kirchenvorständen statt. Wieder werden Frauen und Männer gesucht, die sich in unseren Gemeinden engagieren und zur Wahl aufstellen lassen. Da wir in unserer Struktur noch keine fusionierten Gemeinden haben, bedeutet dies, dass in allen Kirchengemeinden zusätzlich in der Kapellengemeinde St. Hubertus Kufferath jeweils ein Kirchenvorstand gewählt werden muss. Die Aufgaben der Kirchenvorstände sind unter anderen die Verwaltung der Kirchenvermögen und der Gebäude in den jeweiligen Pfarreien. Aus jedem Kirchenvorstand werden nach der Wahl je zwei Mitglieder gewählt, die gemeinsam den Kirchengemeindeverband bilden. Dieser ist dann zuständig für den Personaleinsatz in unserer GdG und für unsere beiden Jugendeinrichtungen in Lendersdorf und Gürzenich. Also: bei den Kirchenvorstandswahlen geht es die Vertretung der Kirchengemeinde vor Ort vor allem in den strukturellen und vermögenstechnischen Angelegenheiten. Wir spüren, es hat viel mit dem zu tun, was in den einzelnen Ortschaften auf uns zukommen wird: ich denke da an die Pflege und Zukunft unserer Kirchengebäude; die Unterhaltung der Immobilien und des Grundbesitzes, an Sanierungsaufgaben und Instandsetzung der Gebäude. Wir suchen Frauen und Männer, die in diesen wichtigen Bereichen Verantwortung übernehmen. Ich weiß aus langjährigen Erfahrungen mit vielen Kirchenvorständen, dass dies eine wichtige Aufgabe ist. Das Kirchenvorstand Sein hat sich in den vergangenen Jahrzehnten schon gewandelt. Früher war es ein Ehrenamt, eine Auszeichnung, meist mit tiefen Einblicken in das pfarrliche Leben wohl aber in eher ruhigen Zeiten. Heute stehen auch schon einmal Dinge auf der Tagesordnung, die mehr herausfordern und wo die notwendigen Entscheidungen nicht immer leicht zu treffen sind. Ich denke zurück an die Zeit, in der das kirchliche Immobilienmanagement anstand. Ich weiß noch, wie schwierig es war, hier zu  Beschlüssen und Entscheidungen zu kommen, die nötig waren, weil die finanziellen Mittel des Bistums absehbar deutlich zurückgefahren worden sind. Es ist mehr Verantwortung in die Hände derer gelegt worden, die sich hier engagiert haben. Und ich bin allen dankbar, die diesen Weg mitgegangen sind. Ohne sie wären wir letztlich nur fremdbestimmt worden. Die Befürchtung „das Bistum bestimmt letztlich alles über unsere Köpfe hinweg“ kann Wirklichkeit werden, wenn es uns nicht gelingt, diese Gremien neu zu besetzen. Dann nämlich sind wir selber nicht mehr geschäftsfähig und können nur noch am Rande mitbestimmen und mitentscheiden.

So möchte ich Sie bitten, wirklich in sich zu gehen und uns in dieser wichtigen Arbeit zu unterstützen. Es geht nicht ohne sie – gerade in einer Zeit kirchlichen Umbruchs und Neuerung. Wir können dieser Entwicklung am besten entgegengehen und meistern, wenn wir personell gut aufgestellt sind. Unsere Ortsgemeinden werden nur Zukunft haben, wenn Frauen und Männer sich vor Ort engagieren und verantwortungsvoll mittun. Dabei ist zu sagen, dass diese Aufgabe jetzt nicht so zeitintensiv ist, dass sie uns ganz und gar fordert und uns keine Luft mehr zum Atmen lässt. In allen Gemeinden stehen Änderungen an, die uns herausfordern werden: in Gürzenich wird wohl das Kirchendach neu gedeckt werden müssen; Arbeiten am Dachstuhl stehen schon momentan an. In Lendersdorf feiern wir im kommenden Jahr das achthunderste Jubiläum der Kirchengemeinde und der Kirche; in Rölsdorf beschäftigt uns die Zukunft der Pfarrkirche, die ja schon seit längerer Zeit auf Rot steht. In Birgel geht es um den Verkauf des Pfarrhauses und einzelner Parzellen im Bereich der Ritterstraße. Es ist vieles in Bewegung und es gilt uns aufzustellen für das, was die Zukunft uns bringen wird.

Das gilt auch für die pastorale und seelsorgerische Arbeit in unseren Gemeinden im gemeinsamen GdG Rat. Wir schauen zurück auf eine Wegstrecke, die uns einander näher gebracht hat. Und wir spüren: es bleibt vieles zu tun. Wir reden nicht nur, wir überlegen gemeinsam und setzen auch Dinge um. Wie sich unsere Gemeinden entwickeln, in welche Richtung sie gehen, hängt von uns allen ab. „heute bei dir“ – wird uns hier in den kommenden Jahren begleiten aber nicht als Bedrohung, sondern als Chance. Kirche entwickelt sich mehr und mehr in Richtung ihrer Anfänge. Das ehrenamtliche Engagement, das Mittun von vielen, ist nicht nur gewollt, sondern mehr und mehr nötig. Und wir können dabei auf unsere eigene Erfahrung bauen; auf unsere persönlichen Stärken; auf das, was uns wichtig ist, was wir anpacken und erhalten wollen. Sicherlich wird es einiges geben, das wir aufgeben müssen. Vieles hat seine Zeit und wenn keiner ein Angebot mehr nachfragt, dann müssen wir uns – wenn auch schweren Herzens – davon trennen. Aber an dieser Stelle ist dann Platz für neues. Ich glaube, dass sich unser Blick noch mehr weiten muss – in den größeren pastoralen Raum. Für Düren kann ich mir vorstellen, dass dies heißt, die vorhandenen Seelsorgeräume arbeiten enger miteinander. Christen schließen sich zusammen, weil manche Dinge für einen alleine nicht mehr zu bewältigen sind.

Ich bin nun 33 Jahre als Priester in unserem Bistum unterwegs und stand in dieser Zeit noch nie in einer so spannungsgeladenen Epoche. (und das meine ich nicht negativ). Wir können mittun bei dem, was auf uns zukommt. Wir können ein Zeichen setzen bei allem, was uns stört und was wir nicht gut finden. Wir können anders miteinander umgehen als jene, die nun einmal schlecht in unserer Gesamtkirche miteinander kommunizieren. Vieles, was ich als belastend und hemmend in unserer Kirche empfinde, nehme ich mir in meinem Handeln zum Maßstab meines eigenen Tuns nach dem Motto: bei uns und unter uns soll es nicht sein.

Was wird einmal sein? Wie wird sich Kirche vor Ort entwickeln? Ich glaube, beide Fragen hängen davon ab, wie sehr wir bereit sind, selber mitzutun. Wo keinem mehr sein Glauben ein Anliegen ist, werden die Gotteshäuser verschwinden. Wo aber viele mittun, macht es auch in Zukunft Freude, da bleiben lebendige Zellen erhalten. Ich habe immer jene in Blick, die nach mir kommen. Ich denke da an unsere Täuflinge, jene Kinder, die durch dieses wichtige Sakrament in unsere Gemeinschaft hineingetauft werden. Wie werden sie Kirche erleben in sechs, in acht, in zwanzig Jahren? Werden Sie Orte finden, in denen sie sich im Glauben zuhause fühlen, wie ich dies selber noch in meiner Kindheit und Jugend in Eschweiler Nothberg erfahren durfte? Wie sicherlich auch viele von Ihnen, die Sie noch wie selbstverständlich mit der Kirche und ihrer Gemeinde groß geworden sind.

Nur spüren wir: es ist heute nicht mehr selbstverständlich, dass es solche Orte des Glaubens vor Ort in Zukunft geben wird. Es steht vieles auf der Kippe, es ist vieles in Gefahr.

Ich möchte Sie ermuntern, mitzutun und ich traue Ihnen dieses auch wirklich zu. Ich möchte mit Ihnen einen Stück Glaubens- und Lebensweg weiter gehen, einen Weg, auf dem wir nicht gleichgeschaltet werden, den wir aber gemeinsam suchen werden.

Wir leben von der Vielfalt, von den unterschiedlichen Begabungen und Charismen, von der lebendigen Suche nach dem, was ansteht und trägt. Und ich erwarte als Ihr Pfarrer nicht immer ein einfaches Nicken; sondern ich bin an Ihrer Seite, wenn wir gemeinsam suchen und uns auseinander setzen, wenn es spannend wird um der guten Sache willen.

Wir brauchen in der Kirche keine Ja sager, sondern Frauen und Männer, die mit Ihren Fähigkeiten sich einbringen, damit unsere Gemeinde lebendig und vielseitig sein kann.

Männer und Frauen, die Achtung voreinander haben und die offen und tolerant sind und die gemeinsam versuchen, mit den Augen Gottes ihre Mitmenschen und ihre Welt zu sehen. Wir wollen eine Kirche sein, die keinen Menschen ausschließt und die Zeugnis gibt von der Offenheit, die Jesus für die Menschen hatte.

Vielleicht kennen Sie ja jemanden, dem Sie zutrauen, hier Fähigkeiten zu haben, vielleicht können Sie sich auch selber vorstellen, sich hier einzubringen und dabei zu sein und mitzutun. Für Rückfragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mich würde es sehr freuen, wenn Sie sich angesprochen fühlen und bereit sind, sich zu engagieren, Verantwortung zu übernehmen und mitzutun.

Es zeugt davon, dass wir auf einen guten Weg sind und voller Zuversicht nach vorne schauen dürfen, in der frohen Gewissheit, dass Gottes Heiliger Geist mit uns ist.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete und gute Zeit.

Ihr Pfarrer Hans Tings