800 Jahre St. Michael

Liebe Mitchristen

18. September 2022
18. September 2022
Datum:
Fr. 5. Aug. 2022
Von:
Hans Tings, Pfr. / CL

wir feiern in diesem Jahr in unserer Pfarrgemeinde St. Michael Lendersdorf ein Jubiläum, das mich immer wieder verstummen lässt. 800 Jahre zurück datiert findet sich die erste urkundliche Erwähnung über unser Glaubensleben vor Ort. Im Jahre 1222 wird von der Einführung eines neuen Pfarrers hier in Lendersdorf berichtet, ein Vermerk, der davon ausgehen lässt, dass unsere Gemeinde noch älter ist. Viele unserer Nachbargemeinden sind „Kinder“ unserer Gemeinde St. Michael. Vieles geht geschichtlich auf die Gemeinde vor Ort zurück. 800 Jahre – was für eine lange Zeit – und ich frage mich oft, was wäre, wenn die Steine sprechen könnten. Vom Mittelalter über die Zeit der Reformation und des 30 jährigen Krieges bis hin zur Neuzeit – im ständigen Auf und Ab – bis in unsere Tage hinein. 800 Jahre bedeuten aber auch, unzählige Männer, Frauen und Kinder, die hier ihren Glauben gelebt haben, für die unsere Kirche ihre geistliche Heimat geworden ist. Und wir heute – haben nur einen kleinen Anteil an dieser Entwicklung. 19 Jahre bin ich nun Ihr Pfarrer; versuche ich das „Boot unserer Gemeinde“ durch die Stürme der Zeit zu manövrieren. Und der Wind in den vergangenen Jahren ist ein rauer geworden. Wie haben es nur die Menschen in den vergangenen Jahren geschafft, all das zu überstehen, was ihnen an schweren Zeiten beschert worden ist? Wir sind leicht verführt, diese Zeiten zu glorifizieren, aber ich bin mir sicher: es gab sie nicht, die Zeiten, in denen alles selbstverständlich und einfach war. Jede Zeit hat ihre Sorgen – aber in den Sorgen waren die Menschen Gott und der Kirche näher als in unseren Tagen.

Ich schaue auf die Gegenwart und stelle fest, vielen im Dorf ist gar nicht oder kaum bewusst, welche Kostbarkeit sie in ihrer Mitte haben – einen Kirchenraum, der seinesgleichen sucht. Es ist ein mystischer Raum, die Kirche St. Michael – ein Raum, in dem ich Gott spüre, in dem mir Gott ganz nahe erscheint.

Aber die Kirche ist und war, so denken wir oft, immer wie selbstverständlich da – nur wir müssen uns klar machen, dass es diese Selbstverständlichkeit in unseren Tagen nicht mehr gibt.

Von vielem haben wir uns trennen müssen, was doch eigentlich selbstverständlich war. Ich denke dabei unter anderem an die Folgen von Corona mit dem Zurückfahren unser aller Leben oder an den Krieg in der Ukraine, dessen Grausamkeit uns alle lähmt und sprachlos macht. Auch das Bekenntnis zum Glauben, zur Kirche, ist längst nicht mehr so selbstverständlich, wie ich es noch aus meiner Kindheit kannte. Früher gehörte „man“ einfach dazu und jene mussten sich rechtfertigen, die sich nicht dazu bekannt haben. Heute müssen sich jene rechtfertigen, die noch nicht ausgetreten sind, die der Gemeinschaft treu geblieben sind. Sicherlich haben dazu Geschehnisse innerhalb unserer Kirche geführt, die die Glaubwürdigkeit der Botschaft schwer beschädigt haben. Vor Ort war unser aller Anliegen, offen und transparent zu sein, ein Klima zu schaffen, dass der Botschaft der Liebe Gottes entspricht. Aber zu viele sind zu Tätern geworden und die Aufarbeitung der Taten war lange Zeit mangelhaft.

Das alles berührt die Situation unserer Gemeinde in unseren Tagen, in unserer Zeit. 800 Jahre – aber wie geht es weiter?

Es sieht so aus, als dass in absehbarer Zukunft die Kirche im Bistum Aachen anders aufgestellt wird. Die Verwaltungseinheiten werden größer – der Status vieler Gemeinden wird verändert werden.

Aber unsere Gemeinde hat in den vergangenen 800 Jahren Krisen gemeistert, die sicherlich auch nicht einfach waren. Und Gottes Heiliger Geist wird uns weiterhin führen und begleiten und unsere Kirche wird weiterhin ein Ort des Gebetes und der Gottes Nähe bleiben.

Mich faszinieren immer wieder die Rorategottesdienste im Advent, die wir unter Kerzenlicht in unserer Pfarrkirche feiern. Es ist ein erhabenes Gefühl, das sich in unserer Kirche einstellt, ja unsere Kirche St. Michael ist ein besinnlicher, geistlicher Raum, in dem ich mich sehr heimisch und wohl fühle.

800 Jahre lassen mich auf das schauen, was eine Gemeinde prägt und ausmacht: Es sind die vielen Menschen, die hier vor Ort über eine so lange Zeit ihren Glauben gelebt und ihre Gemeinde geprägt haben. Wir stehen nicht im luftleeren Raum; wir stehen auf dem Fundament so vieler, die uns vorangegangen sind im Glauben wie im Leben. Die Kirche lebt immer dann, wenn sie spürt, Glauben schenkt Freiheit und Freude; Glaube trägt in guten Tagen wie in Zeiten der Not. Immer wieder hat es Ereignisse gegeben, die schwere Schäden an unserem Gotteshaus hinterlassen haben. Und doch gab es auch immer wieder Menschen, die neu begonnen haben, die die Kirche wieder neu errichtet haben in unserer Gemeinde, an diesem Ort.

Was ich mir wünsche in diesem doch besonderen Jahr?

Ich wünsche mir vor allem, dass wir als Pfarrgemeinde St. Michael spüren, wie reich beschenkt wir doch eigentlich sind und wie viel Hoffnung und Gottes Nähe wir vor Ort finden können.

Ich wünsche mir und uns, dass es uns gelingt, auch weiter geistliches Leben vor Ort zu erhalten. Im Blick zurück kann die Kraft wachsen, optimistisch nach vorne zu schauen. Unsere Kirche ist ein Kleinod, auf das wir alle stolz sein können. In vielem ist Gott uns nahe; aber auch all jene Menschen, die uns vor Ort auf die Wege des Lebens und des Glaubens geführt haben.

Wir haben in diesem Jahr allen Grund, stolz zu sein, im Herzen froh und aus diesem frohen Herzen miteinander zu feiern. Ich bin dankbar für all jene, die treu mittun, auch für jene, die diese Festzeit mit geplant und gestaltet haben.

Wir feiern unser Jubiläum in Lendersdorf am Sonntag, den 18. September 2022. Wir beginnen in der Rurtalhalle mit einem Empfang um 12.30 Uhr. Paul Larue, der langjährige Bürgermeister unserer Stadt, wird an diesem Tag die Festrede halten. Musikalisch wird diese Veranstaltung begleitet vom JBO Lendersdorf.

Um 15.00 Uhr findet in unserer Pfarrkirche ein festliches Hochamt mit unserem Diözesanbischof Dr. Helmut Dieser statt.

Ich freue mich, dass unser Bischof zu diesem Termin zugesagt hat. Dieser Gottesdienst wird musikalisch gestaltet vom Kirchenchor Birgel. Im Anschluss besteht im Rahmen einer Agapefeier die Möglichkeit, unserem Bischof zu begegnen. Ich hoffe, Sie nehmen von diesem Angebot reichlich Gebrauch.

Alle Gemeindemitglieder sind herzlich eingeladen. Darüber hinaus sind wir ja in den letzten 12 Jahren eng verbunden mit den anderen Gemeinden in der GdG St. Elisabeth. Der Kirchengemeindeverband, wie auch der GdG Rat setzen sich aus Mitgliedern aller Gemeinden zusammen und vieles wird gemeinsam geplant, besprochen und umgesetzt. Unser Blick geht schon lange über unseren Kirchturm hinaus. Anfangs zögerlich und vorsichtig, heute eng vertraut und aufeinander abgestimmt. Wenn eine Gemeinde in einer GdG so ein Fest feiert, dann feiern dies die anderen nicht nur im Herzen sicherlich mit. Vergessen wir nicht, dass im 16. Jahrhundert die Pfarrgemeinde Lendersdorf auch die Stolberger Ortsteile Vicht und Zweifall beinhaltet hat.

Es gab also immer wieder Zeiten, in denen sich die Struktur von Kirche vor Ort verändert hat. Aber das wichtige: 800 Jahre wird dieser Kirche gebetet, 800 Jahre war sie für viele Menschen ein ganz spiritueller lebendiger Ort. Hier war und ist, so hoffe ich, Gottes Geist segensreich am Werk.

Ich bitte Gott auch in diesen Tagen um seinen Segen für unsere Gemeinde, für die Menschen, die in ihr leben, für seine ganze Kirche auf den Weg durch unsere Zeit. In diesem Sinne wünsche ich uns allen Gottes Segen und seine Kraft. Gehen wir unseren Weg auch weiterhin miteinander: Im Namen des Vaters + des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Ihr Pfarrer Hans Tings